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News zu EMS, Fitness und Ernährung

Individuelle Leistung - warum nicht jeder von uns gleich trainieren kann

02.06.2015

Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein neues Trainingssystem angepriesen wird, das ausnahmslos jedem Athleten dabei helfen soll, das Maximum aus dem eigenen Körper herauszuholen. Leider ist dieses Unterfangen in den meisten Fällen zum Scheitern verurteilt, denn die stark abweichenden körperlichen Veranlagungen, die jeder Sportler mitbringt, machen die Verallgemeinerung des Trainings ohne Berücksichtigung der physiologischen Voraussetzungen unmöglich.

Der Körperbautyp als Basis

Ursächlich ist wie so oft die Genetik, die uns im Bezug auf unsere angestrebten Ziele nur allzu gerne einen Strich durch die Rechnung macht. Hinsichtlich der sportlichen Leistungsfähigkeit ist es vor allem der in den Genen codierte Körperbautyp samt der damit einhergehenden Muskelfaserzusammensetzung, die darüber entscheidet, welche Spielart der körperlichen Belastung unseren genetischen Veranlagungen entgegenkommt. In der Sportwissenschaft wird in diesem Punkt zwischen dem ektomorphen, mesomorphen und endomorphen Körperbautyp unterschieden.

Während Sportler mit ektomorpher Gestalt von Natur aus über vergleichsweise geringe Mengen an Körperfettgewebe sowie Muskelmasse verfügen und zudem einen schnellen Stoffwechsel haben, der den Muskelaufbau erschwert, verhält es sich bei endomorphen Körperbautypen genau anders herum. Menschen mit einem mesomorphen Körperbau hingegen haben es dank einer schmalen Hüfte, breiter Schultern sowie der Fähigkeit Muskulatur effektiv auf- und Fettgewebe abzubauen, deutlich leichter im Rahmen des Krafttrainings an Muskelmasse zuzulegen.

Die Muskelfaserzusammensetzung entscheidet über die Leistungsfähigkeit Ein weiterer für die individuelle Leistung verantwortlicher Faktor ist die verhältnismäßige Zusammensetzung der Skelettmuskulatur aus den drei Muskelfasertypen.

Prinzipiell verfügen zwar alle Menschen sowohl über langsam kontrahierende Ausdauerfasern (Typ-I), schnell kontrahierende Kraftfasern (Typ-IIb) sowie Muskelfasern des intermediären Mischtyps (Typ-IIa/c), jedoch variiert die tatsächliche Zusammensetzung genetisch bedingt mehr oder minder stark. Dies bedeutet, dass Athleten mit einem vergleichsweise hohen Anteil an Typ-I-Fasern, die gewöhnlich ebenfalls eine ektomorphe Gestalt mit schmalen Schultern und langen Gliedmaßen aufweisen, prädestiniert für Ausdauerleistungen sind. Im Umkehrschluss verfügen Personen mit einem überwiegenden Teil an Typ-IIb-Fasern über Vorteile bei der Erbringung von Kraft- und Schnellkraftleistungen. Nun soll dies allerdings nicht heißen, dass ein zum Laufen geborener Athlet keine Kraftleistungen erbringen kann. Er hat es lediglich schwerer, da sich die Muskulatur nur bedingt anpassen und ihre Zusammensetzung nur in sehr beschränktem Maß ändern kann.

Veranlagungsorientiertes Training

Um optimale Leistungen erzielen zu können, ist es also notwendig, dem dominierenden Muskelfasertyp entsprechend zu trainieren, wozu es wiederum vonnöten ist, den Ist-Zustand zu erkennen. Sinnvoll ist hierfür eine ärztlich fundierte Leistungsdiagnostik, die verschiedene Übungen und Tests verwendet, um den Zustand zu erkennen.

Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse ist es nun möglich, den eigenen Veranlagungen entsprechend eher in Richtung Ausdauer- oder Kraftsport zu tendieren. Anzumerken ist jedoch, dass Sportler mit einem hohen Anteil an Kraftfasern die besten Voraussetzungen für eine Karriere als Sprinter mitbringen. Im Bezug auf den Kraftsport unterscheidet sich das Training für eher ausdauernde und kraftorientierte Athleten lediglich durch die Anzahl der Wiederholungen pro Satz. Während die Muskulatur von Sportlern mit vielen Muskelfasern des Typs-IIb am besten auf niedrige Wiederholungszahlen (5-10) bei schwerem Gewicht reagiert, verhält es sich bei einer vorliegenden Dominanz von Muskelfasern des Typs-i umgekehrt. Folglich empfehlen sich pro Satz 10-15 Wiederholungen bei moderatem Gewicht, um optimale Ergebnisse zu erzielen.

Bildnachweis: www.orthoparc.de